3. Motivationale Einstellungen

Diese Psychodynamik steht dem Verständnis der Motivationspsychologie, wie sie von Locke und Latham (1991, 2002) ausgeführt wurde, nahe. Die Kohärenzregulation wird durch drei motivationale Systeme wie Einstellungen ausgeführt.

Um diese Kohärenz in seinen Lebenswelten immer wieder hinreichend herzustellen, hat der Mensch drei basale Einstellungen, die durch drei neuro-motivationale Systeme gesteuert werden. Das Annäherungs-, Abwendungs- (Vermeidungs-) und Kohärenzsystem regulieren sein Wahrnehmen, Handeln und Reflektieren und auch seinen Stoffwechsel, wie Atmung und Verdauung, bis in die Zellen hinein. Mit gezielten Fragen können wir diese Systeme und Einstellungen anregen und integrieren.

Die motivationalen Systeme werden angeschaltet durch eine Bewertung einer Situation – ist sie aufbauend und Lust versprechend oder bedrohlich, oder erscheint sie verbunden und stimmig. Die Bewertung von Sinneseindrücken kann von auf das Selbst bezogenen, sozialen, kulturellen und geistigen Werten geprägt werden. Wenn es in der Bewertung Inkohärenzen und Ambivalenzen gibt, kann es zur gegenseitigen Hemmung kommen. Beispielsweise schmeckt Süßes gut, ist aber in größeren Mengen ungesund. Oder die Nähe eines Partners wird ersehnt, aber in der Realität kann man sie nicht aushalten.

Einstellung im Annäherungsmodus

„Ich habe attraktive Ziele vor mir und genieße den Tag.“

„Lustgewinn ist der Inhalt meines Lebensglücks.“ (Hedonismus)

Einstellung im Abwendungsmodus

Ich sehe die Gefahr und bin angespannt, um sie abzuwenden (oder mich von ihr abzuwenden).“

„Ich fühle mich unsicher.“ „Ich habe Angst.“ „Ich habe keine Zeit.“ 

Einstellung im übergeordneten Kohärenzmodus

Ich bin verbunden und kann mich und die Welt wohlwollend und vertrauensvoll annehmen und frei mitgestalten. 

Ich bin ganz gelassen und kann die Welt und mich aus einer angenehmen Distanz beobachten. Ich kann meine Lust und meine Ängste gleichermaßen wertschätzen und zügeln.

Die Anlagen der neuro-motivationalen Systeme sind genetisch bedingt, ihre jeweilige Ausprägung erfolgt durch Erfahrung (s. Grawe 2004). Sie regulieren sowohl den Stoffwechsel bis in die Genaktivitäten hinein als auch bestimmte Bewegungsmuster. So konnte z.B. neurophysiologisch gezeigt werden, dass grundlegende Bewegungsmuster wie Beugen und Strecken der Arme mit einer Aktivität des Annäherungssystems bzw. Abwendungssystems verknüpft sind.

Optimaler Weise arbeiten alle drei Systeme synergetisch zusammen. Die nach Kohärenz und Sinn strebende Kohärenzmotivation bestimmt die Richtung des Lebensweges. Sie gibt den übergeordneten Sinn auch für das lustvolle Trachten im Annäherungsmodus. Und das Abwendungssystem sorgt dafür, dass wir alles vermeiden oder abwehren, was unsere Sicherheit bedroht und damit eine Annäherung an Kohärenz ver- oder behindert.

In der Selbstregulation, die eine Kohärenzregulation ist, finden wir eine Hierarchie der motivierenden Ziele. Es kann wichtig sein, im Gespräch herauszufinden, welches Motiv den stärksten oder nachhaltigsten Einfluss hat.

 

Die Marmor-Skulptur „Kommunikation“ (im Header-Foto der Startseite) ist von Dietlind Petzold: www.studio-amaranta.com.